DAS RHEINGOLD IN WIESBADEN


Direkt zum Seiteninhalt

Das Rheingold



Um 1712 erfolgte die Anlage der Saalgasse und der barocken Befestigung. Die Mauer verlief entlang der Grundstückgrenzen der Saalgassenbebauung. Sie schloss den Armenfriedhof, das Bürgerhospital und die Bauten der „Rose“ ein; die Gärten der „Rose“ lagen vor der Stadt ebenso wie Wiesengrundstücke zum Sonnenberger Weg hin. Der Sonnenberger Weg war Wirtschafts- und Promenadenweg.


Saalgasse 30
"Restaurant Rheingold"

Erbaut ca. 1905

Der 3-achsige Gebäude mit Marmorverkleidung im EG und Jugendstil-Dekor in den oberen Bereichen (im 2. OG Balkone mit sezessionistischen Brüstungen) beherbergte das Hotel „Saalburg“, das vom Besitzer L. Jumeau betrieben und als „gut bürgerlich“ bezeichnet wurde. Im EG waren zwei Ladenlokale untergebracht; in einem davon betrieb der Inhaber Wilhelm Runkel ein Kolonialwarengeschäft.


Mit seinen (inzwischen abgetrennten) hinteren Bereichen grenzte das Grundstück direkt an die barocke Stadtmauer bzw. an die „Tattersall“-Bauten
.

Zur
Jungfernfahrt des „Rheingold-Express“ im Mai 1928 eröffnete im EG das „Restaurant Rheingold“.




Das „Rheingold“ startet wieder durch

Michael Fleschner und Silvio Wehr beleben die Legende neu

Seit 1928 gibt es schon das „Rheingold“. Und die Geschichte des Hauses hat nun eine frische Wiederbelebung erfahren: Michael Fleschner und Silvio Wehr … fühlen sich bestens gerüstet, an alte Zeiten anzuknüpfen.

Die ersten sechzig Jahre war das Lokal eng mit der Wiesbadener Gastronomenfamilie Pfefferle verbunden. Hans-Jürgen Pfefferle, Enkel des Gründers, führte es bis in die achtziger Jahre.
Gegründet wurde es … „passend zur Jungfernfahrt des Rheingold-Express im Mai 1928“. Zunächst als Diätküche für das benachbarte Spital gedacht, verkehrten hier schnell auch andere Gäste, die gut essen wollten. Bald war dem Lokal auch ein Hotel angeschlossen, der Schriftzug „Hotel Saalburg“ ist noch heute an der hübschen Jugendstil-Fassade zu lesen.

Nach dem Ende der Ära Pfefferle hatte der bekannte Wiesbadener Wirt Guido Back den Kochlöffel geschwungen, doch er verstarb früh. Der gute Ruf des Restaurants erhielt in der Folge durch wechselnde Pächter kleine Dämpfer, aber nun sind Fleschner und Wehr bereit zum Durchstarten – und haben schon wieviele begeisterte Stammgäste. Man kann hier aber auch ausgezeichnet speisen, vor allem Fleischfreunde kommen voll auf ihre Kosten. Kein Wunder, ist doch Michael Fleschner, der aus Potsdam nach Wiesbaden kam, gelernter Metzger und weiß, wie man Steaks, Schnitzel und andere Köstlichkeiten richtig zubereiten muss. Dazu gibt es Beilagen, die ihresgleichen suchen: Frischen Salat mit kreativen Kräuterzusammenstellungen und ebenso frischen Dressings. Auch die krossen Kartoffelplätzchen sind äußerst lecker. Auf Wunsch kann der Gast aus einer gut bestückten Essig- und Ölbar sogar seine eigene Salatsauce kreieren.

Die Karte wechselt nach Saison. Im Augenblick gibt es Steakspezialitäten … Auf den Karten vergangener Monate fanden sich mal Wildspezialitäten … Im Herbst gab's Pfifferlinge zu allen Gerichten als Extraportion für 3,80 Euro. Und auch ein original Wiener Schnitzel – aus Kalbfleisch – mit Blumenkohlröschen und Zitronenbutter und Bratkartoffeln zu 19,90 Euro war schon im Angebot...

Im „Rheingold“, dessen Innenausstattung übrigens noch originalgetreu geblieben ist, offenbart sich als kuschelige Abwechslung zu all den coolen Lounge-Bars der Umgebung. Es ist weder überkandidelte Sterneküche noch biedere Hausmannskost… Ob bei Rouladen oder Gulasch, Sauerbraten oder Steaks – und immer ohne Pommes… Besonders die Saucen zum Fleisch – wir probierten eine Pfeffersauce – sind ein Gedicht. Für Gäste, die aber nicht so gerne Fleisch essen, „finden wir spontan immer was“ … Auch Wisper-Forellen sind übrigens hier zu haben.

Die Weinkarte ist klug zusammengestellt, die Weißen kommen ausschließlich aus der erweiterten Region, bei den Roten ist auch der eine oder andere Italiener dabei. Vom Fass gibt es drei Biere: König Pilsener, Bit und Paulaner Weizenbier. Und auch Digestif-Edelbrände aus der Region sind zu bekommen. Auf einem „Dessert-Spiegel“ finden sich stets mehrere süße Versuchungen von Fleschners Tochter in schwungvoller Schrift verzeichnet, zum Beispiel Mandelparfait mit Schoko-Ingwer-Sauce oder eine weiße Mousse auf Fruchtspiegel, alles um fünf Euro.

Leider kann man im „Rheingold“ nicht draußen sitzen, „es sei denn, die Saalgasse wird mal zur Fußgängerzone gemacht“, klagt Fleschner schmunzelnd. Aber die 34 Plätze im Lokal profitieren vom Ausblick direkt auf die Staatskanzlei gegenüber. Und ins Nerostraßen-Quartier passt das neu belebte „Rheingold“ sowieso nach wie vor ganz hervorragend. Ruhetage gibt es übrigens nicht.

Anja-Baumgart-Pietsch, Wiesbadener Tagblatt, 27.04.2010






Auszug aus:


Straßen erzählen Geschichte(n)

Von Handwerkern und dienstbaren Geistern:
Das Bergkirchenviertel

Führungsskript von
KulTour & Mehr / Die EntdeckungsTouren

88 Seiten, spiralgebunden

Als Papier Version 12,50 €
Als pdf-Datei 10,00 €

Zu haben im Restaurant Rheingold
oder direkt bei KulTour & Mehr



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü